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Die kleine Feldmaus auf der Electric Bookfair 2014

Es ist schon einige Zeit her, aber noch gut in Erinnerung.
Hier kommt endlich der Bericht unserer Kleinstadt-Korrespondentin aus der großen Stadt:
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Die kleine Feldmaus wohnt nicht wirklich auf dem Land, sondern in einer Kleinstadt. Ihre besonderen Merkmale sind ihre Begeisterungsfähigkeit für die Schönheit des Alltags.

Am 21. Juni 2014 packte die kleine Feldmaus ihr Kleinstadtköfferchen und machte sich auf in die große Stadt Berlin zur ersten Electric Book Fair. Im Gepäck hatte sie natürlich die E-Books ihres eigenen Verlages. Sie freut sich auf Begegnungen mit vielen anderen interessanten Mäusen.

Einführung: „Das digitale Wir“

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Die kleine Feldmaus fühlt sich natürlich als Teil davon, denn sie hat einen Freund, der ihr alle wichtigen Twitter Nachrichten vorliest (Sie hat eigentlich genug mit Facebook zu tun und will daher keinen eignen Twitter Account). Die Maus überlegt „Ich sitze auf der #EBF14 in der alle gleichzeitig darüber posten und lesen, dass sie gerade auf der #EBF14 sind, in der alle posten und lesen, dass sie…“ Irgendwann wird es ihr schwindelig. „Wenn ich es nicht twittere, bin ich dann eigentlich gar nicht da gewesen?“

Die Vorträge und Pausengespräche
Es gibt viele Vorträge, einer nach dem anderen. Die Menschen auf der Messe, das merkt man deutlich, sind alle mit Leib und Seele dabei. Es geht um Inhalte, Visionen, Gestaltung der Zukunft. Literatur ist ein gemeinsames Kulturprojekt, es soll möglichst vielen zugänglich sein.

Beruhigt werden wir alle in der “Keynote” von Richard Nash ” Scatter, Adapt and Remember”- Der Editor wird auch in den Zeiten zunehmender Computerisierung nicht aussterben, er steht in einer Reihe mit dem Physiotherapeuten und dem Feuerwehrmann, unersetzlich sozusagen. Ein gutes Gefühl für einen guten Start in den Tag!

Unter den Vortragenden gibt es Künstler, Macher und gestandene Geschäftsleute und die kleine Feldmaus bewundert sie gleichermaßen. Am liebsten wäre ich doch alles gleichzeitig, denkt sie. Mit coolen Projekten sichtbar im Netz und wirtschaftlich erfolgreich. Oder wäre das zu viel des Guten? Verrät der finanzielle Erfolg den kulturell wertvollen Ansatz?

Jürgen Schulze vom Null Papier Verlag, erfolgreich und gleichermaßen pragmatisch (“Wenn der Leser die Geschichte anders will, dann ändert der Autor das eben”) polarisiert dann auch das Publikum und verblüfft nach den heißen Diskussionen zum Thema Sichtbarkeit im Netz mit dem Satz “Ich mache keine Werbung, nie, das bringt nichts.” Zauberei? Da freut man sich auf einen Vortrag einer erfolgreichen Person, und die Enthüllung des Geheimnisses seines Erfolges und dann – Nichts! Da fällt auch unserer kleinen Feldmaus kurz die Kinnlade herunter, es kann doch nicht nur am Preis liegen?!

Man merkt deutlich, dass der heutige Austausch lange überfällig war- bei einigen Vorträgen kommt man schnell vom in der Überschrift genannten Thema etwas ab auf die Themen, die die Anwesenden besonders interessieren.  Dabei lenkt die Diskussion immer wieder zu den ähnlichen Fragen – Sichtbarkeit und Umgang mit Großkonzernen. Idealismus im Umgang mit der Realität. Große Unternehmen, wie, nennen wir sie „die Grinsekatze“ – ist sie unser Freund oder ist sie „alternativlos“? Können wir von ihr lernen?

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Es besteht großer Rede- und Austauschbedarf im „Digitalen Wir“, und so fällt es bald schwer, sich zwischen Vorträgen und spannenden Pausengesprächen zu entscheiden. Ein Tag scheint viel zu kurz.

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Die Vielfalt der Ansätze, Ideen und Lebensläufe ist großartig. Doch auch auf so einer zukunftweisenden Veranstaltung fällt der legendär platte und doch voller tiefer Weisheit steckende Satz:
„Die kochen doch auch nur alle mit Wasser.“

Der Abend
Nach so vielen Informationen, Vorträgen und Gesprächen schwirrt der kleinen Maus der Kopf, aber es gibt ja noch ein Abendprogramm.

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Jede Spannung braucht einen „Comic Relief“: Am Abend wurden Vortragssaal und Beamer zum „private Viewing“ des Fußballspieles Deutschland – Ghana umfunktioniert. Leider funktionierte „Comic“ nicht so ganz bei diesem spannenden Spiel, aber der „Relief“ der Spannung des Tages entlud sich deutlich in althergebrachten gebrüllten Kommentaren über die Spielleistung der Fußballer.

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Aber denken wir daran „Die kochen auch alle nur mit Wasser.“